Man glaubt es kaum: Aufgrund einer Verkettung mehr und auch weniger glücklicher Umstände habe ich heute trotz zwei Jobs schon um 18.20 Uhr Feierabend und komme darum endlich mal wieder zum Bloggen. Die weniger glücklichen Umstände: Ich habe eine Festival-Erkältung knapp zwei Wochen lang verschleppt, so dass daraus eine hübsche Bronchitis geworden ist. Zum Arzt gegangen bin ich aber heute erst, war vielleicht nicht ganz so clever. Nun aber die glücklichen Umstände: Wegen des Brückentags war heute ohnehin kaum jemand in der Redaktion, was gemeinsam mit meinem geplanten Arztbesuch dazu führte, dass ich heute von zu Hause aus arbeiten konnte. Und das wiederum führte dazu, dass ich zwischen die Arbeit für mein Praktikum auch immer mal wieder total unbemerkt ein paar Minuten für meinen anderen Job reinmogeln konnte, weswegen ich auch schon so früh am Abend komplett mit der ganzen Arbeit fertig bin. So ein regulärer Achtstundenjob, bei dem man regelmäßig ab 18.00 Uhr oder 19.00 Uhr einfach frei hat, ist eine faszinierende Sache. Wenn ich groß bin, will ich sowas auch mal haben.
Somit habe ich jetzt also Zeit für eine Rezension, die eigentlich schon seit über drei Wochen fällig ist, und beim passenden Foto dazu wird euch gleich auffallen, dass ich da kein Buch, sondern so ein komisches neumondisches Kindle-Dings mit meinem Zebra abgelichtet habe. Das wollte ich ja ebenfalls schon seit über einem Monat mal erwähnen: Ich habe mir einen Kindle Paperwhite zugelegt. Ein wenig geliebäugelt habe ich damit schon länger, aber das Ding war mir schlicht und ergreifend zu teuer. Dann aber gewann ich bei einer Blogger-Aktion einen Amazon-Gutschein über 50 Euro und das Schicksal schickte mir eine Aktion, bei der es alle Kindles 15 € billiger gab. Womit der Kindle für mich plötzlich gar nicht mehr so teuer war, also Augen zu und "Bestellen"-Knopf gedrückt. Bereut habe ich es bisher nicht, im Gegenteil. Eigentlich mag ich echte Bücher viel lieber, aber der Kindle hat definitiv seine Momente. Derzeit fahre ich wegen meines Praktikums jeden Tag zweimal 20 Minuten mit der S-Bahn, und da ist so ein Ding schon Gold wert - vor allem, weil ich meinen randvoll mit kostenlosen Klassikern beladen habe. Dann gibt es bei Amazon ja auch immer wieder nette Aktionen, z.B. den Kindle-Deals des Tages, und so habe ich inzwischen schon eine beachtliche kleine Kindle-Bibliothek zusammenbekommen und kann je nach aktueller Lust und Laune darin rumlesen, weswegen ich derzeit auch mehrere angefangene Bücher (echte und digitale) habe. Eines davon, das ich komplett auf Bahnfarten durchgelesen habe, ist
Anne of Green Gables von
L.M. Montgomery. Da das aber schon fast einen Monat her ist, fällt die Rezension wohl eher kurz aus. ;-)
Inhalt
Die Geschwister Matthew und Marilla Cuthbert leben Anfang des 20. Jahrhunderts gemeinsam auf dem Anwesen Green Gables im kanadischen Avonlea - ein idyllisches Örtchen vor dem Herrn. Nur werden die beiden eben auch nicht jünger, Ehepartner oder Kinder gibt es keine, und daher kommen sie auf die Idee, einen kleinen Jungen zu adoptieren, der Matthew bei der Feldarbeit helfen kann. Nur, dass aufgrund eines Missverständnisses statt des "bestellten" Jungen ein kleines, rothaariges Mädchen mit großer Klappe namens Anne Shirley am Bahnsteig auf Matthew wartet. Nach anfänglichen Überlegungen, Anne wieder "umzutauschen", entschließen sich Matthew und Marilla, sie bei sich aufzunehmen. Überglücklich tut das 11-jährige Mädchen alles, um ihren neuen Adoptiveltern zu helfen - während da nur nicht die ständigen Missgeschicke, die ihr passieren, wenn sie mal wieder vor sich hinträumt und ihrer Fatntasie freien Lauf lässt.
Mein Senf zum Dazugeben
Wie schon einige Kinderbücher zuvor (siehe letzte Rezension), hat mich auch
Anne of Green Gables schnell verzaubert. Das lag vor allem am lebendigen Schreibstil der Autorin, die das Dörfchen, die Geschehnisse und die Charaktere so liebenswert mit Worten gezeichnet hat, dass man diese Welt einfach lieben muss. Der wortkarge, aber liebenswerte Matthew, der die kleine Anne sofort ins Herz schließt, die ruppige, aber im Grunde herzensgute Marilla und natürlich die quirlige, aufgeweckte, clevere und unendlich tollpatschige Anne hinterlassen einen bleibenden Eindruck und man wünscht sich sehnlichst seine eigene Kindheit zurück, wenn man immer wieder über ihre Abenteuer und kleinen Katastrophen schmunzeln muss. Aber auch die Nebencharaktere sind meiner Meinung nach großartig. Von der neugierigen Nachbarin, die ihre Nase nur allzugern in fremde Angelegenheiten steckt, bis zut treuen besten Freundin und dem verhassten Schuljungen, der ja im Grunde doch richtig nett ist, findet man wirklich alle Charaktere, die einem selbst schonmal im wahren Leben über den Weg gelaufen sind. Kleiner Minuspunkt, der allerdings auch daran liegen könnte, dass ich als Erwachsene ja nicht unbedingt der Zielgruppe des Kinderklassikers entspreche: Manchmal scheint mir Anne in ihren jungen Jahren doch etwas zu naiv und auf Dauer kann ihre Art auch ein bisschen nerven. Überwogen hat aber die Lesefreude und die Belustigung. Das Ende des Buchs hält eine ziemlich gepfefferte Überraschung bereit, die der Geschichte aber auf gewisse Weise guttut - vor allem, weil es sich bei Anne of Green Gables nicht um ein abgeschlossenes Buch, sondern um den ersten Teil einer Reihe handelt. Und weil ich mir für 89 Cent die kompletten Anne-Stories als Kindle-Version runtergeladen habe, werde ich ganz bestimmt mal wieder einen Abstecher zu Anne und ihren Freunden nach Avonlea machen.
Vier von fünf Zebras.