18 Juni 2013

*Kurzrezension* The Great Gatsby von F.S. Fitzgerald

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Inhalt

Der junge Millionär Jay Gatsby veranstaltet im Amerika der 1920er Jahre feudale Partys für die gehobene Gesellschaft. Hier treffen Filmsternchen auf Geschäftsmänner, hier gibt es massenweise den streng verbotenen Alkohol, hierher kommt jeder, der etwas auf sich hält. Wer aber wirklich hinter dem geheimnisvollen Gatsby steckt, weiß niemand so genau. Einige sagen, er sei ein Studierter vom bekannten Oxford College, andere halten ihn für einen Kriminellen. Trotz all des Trubels ist Gatsby ein einsamer Mann, der seiner großen Liebe Daisy hinterhertrauert. Diese jedoch heiratete, während Jay im Ersten Weltkrieg kämpfte, den ehemaligen Footballspieler Tom Buchanan. Nick Carraway, ein junger Makler, wohnt gleich neben Gatsbys Prunkvilla auf Long Island und erzählt die tragische Geschichte des mysteriösen Mannes.

Mein Senf zum Dazugeben

Es ist schon wieder ca. zwei Wochen her, seit ich The Great Gatsby gelesen habe, und daher gibt es hier nur kurz und knapp ein paar Kommentare. Kommen wir doch zunächst einmal zu den Punkten, die mir an diesem Klassiker gefallen haben:
  • Die Perspektive aus Nicks Sicht. Der ist nämlich nicht nur Gatsbys Nachbar, sondern auch Daisys Cousin, weshalb er beide Seiten der Medaille kennt.
  • Das lebendige Bild der 1920er Jahre, inklusive Great Depression und dem daraus ironischerweise resultierenden Alkoholsumpf
  • Die stellenweise sehr poetische, tiefgründige Erzählweise des Autors
  • Das Bild vom American Dream ist sehr schön umgesetzt, allerdings auch der dicke Wink mit dem Zeigefinger, dass man genauso schnell wieder ins Bodenlose fallen kann.
So, das war's aber auch schon. Ansonsten ist dieses eigentlich so große Stück der Weltliteratur bei mir nämlich irgendwie total auf Granit gestoßen, und das liegt bestimmt nicht am Klassiker-Status, da ich sonst eigentlich oft und gern Klassiker lese. Schnöde gesagt: Der Roman hatte einfach viel zu viele Punkte, die mir total auf den Keks gingen. Zum Beispiel...
  • Die Oberflächlichkeit der Charaktere. Bis auf Nick sind eigentlich alle Protagonisten furchtbar  eingebildet, konsum- und spaßfixiert. Selbst Gatsby, der jahrelang seiner Daisy hinterhergejagt ist, stellt sich doch irgendwie als selbstverliebter Typ heraus, der einen Mythos um seine Person gesponnen hat und weniger Daisy, sondern ein Idealbild verfolgt. Daisy und die Frauen allgemein kommen mit furchtbar albern und seicht vor. Wollte Fitzgerald damit andeuten, dass die Ladies, egal aus welcher Schicht und Bildungsklasse, einfach nicht für zwei Cent Hirn im Kopf haben?
  • Diese ewige Fremdgeherei. Sodom und Gomorrha in den prüden USA. Da betrügt wirklich jeder jeden, sobald mal ein bisschen Alkohol fließt, und macht sich nichtmal die Mühe, das zu vertuschen. Führte zu ungesundem Dauer-Augenverdrehen und genervtem Seufzen meinerseits. Die Leute in der Bahn müssen mich auch für ne ziemlich komische Kreatur gehalten haben.
  • Das Ende ist natürlich ein großer Schock, aber so richtig doll ist die ganze Geschichte eigentlich nicht. Hallo Spannungsbogen, hast du dich etwa auch im Champagner ertränkt oder bist lieber Charleston tanzen gegangen?
Tja, man merkt mir die Enttäuschung vielleicht ganz gelinde an. Daher gibt es von mir auch nur ganz knappe drei von fünf Zebras.

31 Mai 2013

Kindle, literarisches Multitasking und Anne of Green Gables

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Man glaubt es kaum: Aufgrund einer Verkettung mehr und auch weniger glücklicher Umstände habe ich heute trotz zwei Jobs schon um 18.20 Uhr Feierabend und komme darum endlich mal wieder zum Bloggen. Die weniger glücklichen Umstände: Ich habe eine Festival-Erkältung knapp zwei Wochen lang verschleppt, so dass daraus eine hübsche Bronchitis geworden ist. Zum Arzt gegangen bin ich aber heute erst, war vielleicht nicht ganz so clever. Nun aber die glücklichen Umstände: Wegen des Brückentags war heute ohnehin kaum jemand in der Redaktion, was gemeinsam mit meinem geplanten Arztbesuch dazu führte, dass ich heute von zu Hause aus arbeiten konnte. Und das wiederum führte dazu, dass ich zwischen die Arbeit für mein Praktikum auch immer mal wieder total unbemerkt ein paar Minuten für meinen anderen Job reinmogeln konnte, weswegen ich auch schon so früh am Abend komplett mit der ganzen Arbeit fertig bin. So ein regulärer Achtstundenjob, bei dem man regelmäßig ab 18.00 Uhr oder 19.00 Uhr einfach frei hat, ist eine faszinierende Sache. Wenn ich groß bin, will ich sowas auch mal haben.

Somit habe ich jetzt also Zeit für eine Rezension, die eigentlich schon seit über drei Wochen fällig ist, und beim passenden Foto dazu wird euch gleich auffallen, dass ich da kein Buch, sondern so ein komisches neumondisches Kindle-Dings mit meinem Zebra abgelichtet habe. Das wollte ich ja ebenfalls schon seit über einem Monat mal erwähnen: Ich habe mir einen Kindle Paperwhite zugelegt. Ein wenig geliebäugelt habe ich damit schon länger, aber das Ding war mir schlicht und ergreifend zu teuer. Dann aber gewann ich bei einer Blogger-Aktion einen Amazon-Gutschein über 50 Euro und das Schicksal schickte mir eine Aktion, bei der es alle Kindles 15 € billiger gab. Womit der Kindle für mich plötzlich gar nicht mehr so teuer war, also Augen zu und "Bestellen"-Knopf gedrückt. Bereut habe ich es bisher nicht, im Gegenteil. Eigentlich mag ich echte Bücher viel lieber, aber der Kindle hat definitiv seine Momente. Derzeit fahre ich wegen meines Praktikums jeden Tag zweimal 20 Minuten mit der S-Bahn, und da ist so ein Ding schon Gold wert - vor allem, weil ich meinen randvoll mit kostenlosen Klassikern beladen habe. Dann gibt es bei Amazon ja auch immer wieder nette Aktionen, z.B. den Kindle-Deals des Tages, und so habe ich inzwischen schon eine beachtliche kleine Kindle-Bibliothek zusammenbekommen und kann je nach aktueller Lust und Laune darin rumlesen, weswegen ich derzeit auch mehrere angefangene Bücher (echte und digitale) habe. Eines davon, das ich komplett auf Bahnfarten durchgelesen habe, ist Anne of Green Gables von L.M. Montgomery. Da das aber schon fast einen Monat her ist, fällt die Rezension wohl eher kurz aus. ;-)

 Inhalt

Die Geschwister Matthew und  Marilla Cuthbert leben Anfang des 20. Jahrhunderts gemeinsam auf dem Anwesen Green Gables im kanadischen Avonlea - ein idyllisches Örtchen vor dem Herrn. Nur werden die beiden eben auch nicht jünger, Ehepartner oder Kinder gibt es keine, und daher kommen sie auf die Idee, einen kleinen Jungen zu adoptieren, der Matthew bei der Feldarbeit helfen kann. Nur, dass aufgrund eines Missverständnisses statt des "bestellten" Jungen ein kleines, rothaariges Mädchen mit großer Klappe namens Anne Shirley am Bahnsteig auf Matthew wartet. Nach anfänglichen Überlegungen, Anne wieder "umzutauschen", entschließen sich Matthew und Marilla, sie bei sich aufzunehmen. Überglücklich tut das 11-jährige Mädchen alles, um ihren neuen Adoptiveltern zu helfen - während da nur nicht die ständigen Missgeschicke, die ihr passieren, wenn sie mal wieder vor sich hinträumt und ihrer Fatntasie freien Lauf lässt.

Mein Senf zum Dazugeben

Wie schon einige Kinderbücher zuvor (siehe letzte Rezension), hat mich auch Anne of Green Gables schnell verzaubert. Das lag vor allem am lebendigen Schreibstil der Autorin, die das Dörfchen, die Geschehnisse und die Charaktere so liebenswert mit Worten gezeichnet hat, dass man diese Welt einfach lieben muss. Der wortkarge, aber liebenswerte Matthew, der die kleine Anne sofort ins Herz schließt, die ruppige, aber im Grunde herzensgute Marilla und natürlich die quirlige, aufgeweckte, clevere und unendlich tollpatschige Anne hinterlassen einen bleibenden Eindruck und man wünscht sich sehnlichst seine eigene Kindheit zurück, wenn man immer wieder über ihre Abenteuer und kleinen Katastrophen schmunzeln muss. Aber auch die Nebencharaktere sind meiner Meinung nach großartig. Von der neugierigen Nachbarin, die ihre Nase nur allzugern in fremde Angelegenheiten steckt, bis zut treuen besten Freundin und dem verhassten Schuljungen, der ja im Grunde doch richtig nett ist, findet man wirklich alle Charaktere, die einem selbst schonmal im wahren Leben über den Weg gelaufen sind. Kleiner Minuspunkt, der allerdings auch daran liegen könnte, dass ich als Erwachsene ja nicht unbedingt der Zielgruppe des Kinderklassikers entspreche: Manchmal scheint mir Anne in ihren jungen Jahren doch etwas zu naiv und auf Dauer kann ihre Art auch ein bisschen nerven. Überwogen hat aber die Lesefreude und die Belustigung. Das Ende des Buchs hält eine ziemlich gepfefferte Überraschung bereit, die der Geschichte aber auf gewisse Weise guttut - vor allem, weil es sich bei Anne of Green Gables nicht um ein abgeschlossenes Buch, sondern um den ersten Teil einer Reihe handelt. Und weil ich mir für 89 Cent die kompletten Anne-Stories als Kindle-Version runtergeladen habe, werde ich ganz bestimmt mal wieder einen Abstecher zu Anne und ihren Freunden nach Avonlea machen.
Vier von fünf Zebras.

11 Mai 2013

Ein Leben ohne TV, Playstation und Internet? Frances Hodgson Burnett - The Secret Garden

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Inhalt

Die kleine Mary Lennox lebt mit ihren britischen Eltern auf einem stattlichen Anwesen in Indien. Marys eitle Mutter hatte eigentlich in ihrer Planung keine Tochter vorgesehen und überlässt deren Erziehung darum komplett dem Kindermädchen. Von den indischen Angestellten wird das Mädchen verwöhnt und verhätschelt, wie eine kleine Prinzessin, weswegen sie mit 8 Jahren ein vollkommen missratener, arroganter kleiner *pardon* Kotzbrocken ist, als ihre Eltern an der Cholera sterben und sie in Ermangelung anderer Verwandter zu ihrem eigenbrödlerischen Onkel nach England geschickt wird. Genauer gesagt auf das riesige Anwesen Misselthwaite in Yorkshire. Dort muss Mary lernen, dass sie nun wirklich nicht die Krönung der Schöpfung ist und bleibt fortan mehr oder weniger sich selbst überlassen. Bei ihren Streifzügen durch die riesigen Gartenanlagen und das Haus stößt sie nicht nur auf ein Geheimnis.

Mein Senf zum Dazugeben

The Secret Garden ist wohl einer DER Kinderbuchklassiker überhaupt, den ich vor unzähligen Jahren schonmal auf Deutsch gelesen habe, mich aber nur noch schemenhaft daran erinnerte. Als der Titel bei Milas "The Big Read"-Challenge auftauchte, war mir ziemlich schnell klar, dass er auf meine Leseliste wandern würde - und bereut habe ich das absolut nicht.

Yorkshire Anfang des 20. Jahrhunderts: Von Fernsehern, DVDs, Videospielen, Internet und Smartphones weit und breit keine Spur. Was macht man also als sich selbst überlassenes Kind? Bücher lesen, Handarbeiten, oder eben draußen spielen. Jaja, tatsächlich, sowas tat man damals noch. Zwar hat Mary anfangs überhaupt keine Lust dazu, durch die kalten, windigen Gärten zu streifen, aber ihr Onkel, seelisch geplagt vom Tod seiner Frau, kümmert sich nur um das finanzielle und körperliche Wohlergehen seiner Nichte, will sie aber ansonsten nicht unter die Augen bekommen. Ganz langsam lernt das Mädchen, andere Menschen nicht mehr so von oben herab zu behandeln und schließt erste, ganz zarte Freundschaften zum Dienstmädchen Martha und zum Gärtner Ben Weatherstaff. Dann aber stößt sie zufällig auf den früheren Garten der verstorbenen Hausherrin, der seitdem abgeschlossen verwildert. Mary macht es sich zur Aufgabe, den geheimen Garten zum Sprießen zu bringen - und damit setzt sie selbst den Grundstein zu einem schöneren Leben voller Freude, Begeisterung, Spiel und Freunden - denn die bekommt sie quasi als Zugabe zum Garten.

Was die Handlung allein angeht, ist das Buch jetzt nicht unbedingt der atemberaubendste Pageturner, aber trotzdem habe ich es einfach nur geliebt und geherzt und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. "Schuld" daran ist Burnetts großartiges Talent dazu, den Figuren ihrer Geschichte Leben einzuhauchen und sie dreidimensional werden zu lassen. Die anfangs richtig ätzende, später dann richtiggehend liebenswerte Mary, der etwas grummelige, aber herzensgute alte Gärtner, das einfache, aber clevere Dienstmädchen Martha - sie alle wachsen einem wirklich schnell ans Herz mit all ihren Macken und Verschrobenheiten. Nicht zu vergessen der großartige Dickon, Marthas jüngerer Bruder, der ein echter Wildfang ist, Tiere und Pflanzen liebt und sein Herz am rechten Fleck hat. Er, Martha und ihre herzensgute Mutter zeigen der einsamen, verzogenen Mary, was es bedeutet, eine Familie zu haben und geliebt zu werden. Mit dem geheimen Garten taucht dann auch noch Marys geheimer Cousin Colin auf, der anfangs ungefähr 516172939303 Mal so unsympathisch und herabschauend ist, wie seine Cousine. Doch genau wie Mary, verändert sich der kleine Pascha mit der Zeit zum Guten. Es scheint, als bringe dieser geheime Garten in allen Menschen das beste zum Vorschein - und selbst für Marys verbitterten Onkel scheint es noch Hoffnung zu geben.

Ein vielleicht etwas simpel gestrickter, aber durch und durch bezaubernder Roman für kleine und große Kinder, der vor Esprit, Witz, feiner Ironie, Lebendigkeit und Wärme nur so sprüht. Absolut zu empfehlen und trotz der über 100 Jahre, die das Buch schon auf dem Buckel hat, aktuell und zeitgemäß.
Fünf von fünf Zebras